Grundsätze

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Grundsätze2016-10-07T08:49:30+01:00

Die Grundsätze der „Lebenswerten Arbeitswelt“

Unternehmenskultur mit ehrlicher Wertschätzung

Unternehmen sollten sich angesichts des demographischen Wandels, verbunden mit veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, verstärkt aktiv um leistungsbereite, motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen – und diesen für ihre Arbeit nicht nur gerechten Lohn leisten, sondern auch den Erhalt der Lebensqualität unterstützen. Zwar fühlt sich die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher insgesamt recht zufrieden im Job – andererseits äußert sich ein erheblicher Teil auch kritisch. Dabei sorgt auch zu wenig Anerkennung der erbrachten Leistungen mitunter für Frust in den Betrieben. Insbesondere das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss Beachtung finden. Ebenso vermissen jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine ausgewogene mitarbeiterinnen- und mitarbeiterorientierte Organisation, die in ihrer Struktur nicht nur fordert, sondern auch fördert. Eine faire Unternehmenskultur mit ehrlicher Wertschätzung ist der Schlüssel zu einer lebenswerten Arbeitswelt.

Gesunde menschliche Arbeitswelt

Durch Entwicklungen in der Arbeitswelt, die zu Überforderung, Mobbing und starkem Stress führen, entstehen neue Herausforderungen für die einzelnen Beschäftigten, die Unternehmungen und die Volkswirtschaft.

Die nächsten Jahrzehnte bringen eine grundlegende Veränderung der Arbeitswelt. Damit der gesellschaftliche Prozess, vor allem in Bezug auf die Gesundheit am Arbeitsplatz, nicht zu gravierenden Beeinträchtigungen, wie z.B. Diskriminierung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder auch von Personen mit Betreuungspflichten sowie zu sozialer Ausgrenzung einzelner Gruppen, wie Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund führt, sollte ein neues Wertebewusstsein Platz greifen. Alle maßgebenden Kräfte des Landes sind zu bündeln, um mitzuhelfen, Menschen am Arbeitsplatz gesund zu erhalten und krankmachende Faktoren auszuschalten.

Sozialpartnerschaft auch in Problemsituationen

In vielen Betrieben, in denen bis vor Kurzem noch familiäre Strukturen vorherrschten, kommt es immer häufiger zu einer Änderung der Unternehmenskultur in Richtung Konzernstruktur. Um für die Zukunft fit zu sein, müssen sich Betriebe permanent weiter entwickeln. Jedoch sind viele Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oder auch nur durch Eigentümervorgaben von massiven Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen. All dies beeinträchtigt das Arbeitsklima. Deshalb ist darauf Bedacht zu nehmen, bei Umstrukturierungsmaßnahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Vertretung in geeigneter Weise einzubinden. Ebenso ein vorrangiges Ziel jeder Umstrukturierung muss die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen am Standort sein, da der Verlust des Arbeitsplatzes für jeden Menschen einen massiven Eingriff in seine Lebensqualität bedeutet. Deshalb ist für eine „Lebenswerte Arbeitswelt“ der sozialpartnerschaftliche Umgang im Betrieb mit gegenseitigem Respekt und Vertrauen die Basis, um Problemsituationen im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut meistern zu können.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Ohne ausreichendes und motiviertes Personal lässt sich bekanntlich nicht gut wirtschaften. Studien haben ergeben, dass sich immer mehr jüngere Menschen im Arbeitsprozess überfordert fühlen und unzufrieden sind. Manchmal ist es sehr wohl erforderlich, die eigene Sichtweise dahingehend zu ändern, dass ein gutes Miteinander immer auf Gegenseitigkeit beruht. Aber die Ohnmacht herrscht dann, wenn das System im Unternehmen so aufgebaut ist, dass es keine Gestaltungsspielräume mehr gibt. Erwartungen und Bedürfnisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern müssen daher aus beruflicher, familiärer und individueller Sicht mit den Zielen von Unternehmen in Einklang gebracht werden. Dazu ist eine gute Organisation der Infrastruktur im Betrieb ebenso notwendig wie die Möglichkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eigene Initiativen zur Verbesserung der Arbeitssituation einzubringen. Ziel ist es, die Wirtschaft familienfreundlich zu gestalten.

Gesundes Führen

Eine „Lebenswerte Arbeitswelt“ nimmt auch auf die Führungskräfte Rücksicht, denn deren Führungsverhalten hat unmittelbare Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und somit auf den Unternehmenserfolg. Eine gute Unternehmenskultur fördert jene Führungskräfte, die sowohl in fachlicher Hinsicht als auch durch ihre persönliche und soziale Kompetenz geeignet sind und schafft Bedingungen, um „Gesundes Führen“ zu ermöglichen. Führen ist immer mit Belastungen verbunden. Wenn Belastung jedoch zu Stress wird, sollten Führungskräfte sich Unterstützung zur Stressbewältigung in geeigneter Form holen können. Gerade im mittleren Management kommt es häufig durch den Druck von der unteren Ebene und den Druck von der oberen Ebene zu massivem Stress. Hier gilt es jedenfalls anzusetzen. „Gesundes Führen“ reduziert die Unzufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wirkt positiv auf das Arbeitsklima und muss deshalb eine Selbstverständlichkeit in jedem Unternehmen sein.

„Lebenswerte Arbeitswelt“ als Präventivfaktor

Das Burnout-Syndrom ist im Vormarsch und  kostet menschliches Leid und Geld. Gerade Burnout hat bereits den Stellenwert einer Volkskrankheit wie Diabetes. Die Betroffenen befinden sich in einem Zustand der emotionalen Erschöpfung durch fortwährende Überanstrengung und Überforderung der eigenen Kräfte, mit dem ständigen Gefühl, leer und ausgelaugt zu sein.

Daher muss es ein gemeinsames Anliegen von Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmern und Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern sein, dahingehend präventiv tätig zu werden, aber auch rechtzeitig präventiv einzugreifen. Der verstärkte Einsatz der Arbeitspsychologie in den Betrieben im Rahmen der sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Betreuung ist höchst notwendig. Das Ziel muss sein, sinnvoll gestaltete Tätigkeiten und konstruktive Arbeitsorganisationen nach arbeitspsychologischen Kriterien zu schaffen. Notwendig sind eine hohe qualitative Gestaltung der Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten, ein förderndes Organisationsklima, eine gesunde Arbeitsumgebung sowie transparente und effiziente Arbeitsabläufe bzw. Arbeitsorganisation. Davon abgeleitet ist das Augenmerk beispielsweise auf ganzheitliche Tätigkeiten, sinnvolle und erreichbare Ziele sowie den Ausbau von Ressourcen als Unterstützung am Arbeitsplatz und auch ein relativ hohes Ausmaß an Arbeitsplatzsicherheit zu legen. Ebenso wichtig sind die soziale Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzte, sowie eine Unternehmenskultur, die auf Kommunikation setzt und auch berufsbegleitende Qualifizierung beinhaltet.

Bei aller Prävention darf auf die bereits von Burnout Betroffenen nicht vergessen werden. Ihnen muss Unterstützung in Form von ärztlicher, psychologischer oder psychotherapeutischer Hilfe geboten werden.