Prävention statt Frühpension

Franz Gosch
Franz GoschVizepräsident AK-Steiermark
Arbeit soll auch Freude machen, meine „InitiativeLebensWerteArbeitswelt.at“ hilft ein gesundes, wertschätzendes Arbeitsklima zu schaffen und damit Burnout zu verhindern!
Prim. Dr. Sigurd M. Hochfellner
Prim. Dr. Sigurd M. Hochfellner Ärztlicher Leiter Privatklinik St. Radegund
Bis zu 30% der österreichischen berufstätigen Bevölkerung sind Burnout gefährdet oder manifest daran erkrankt. Burnout entsteht dann, wenn berufs- und arbeitsbedingte Energieverluste durch regenerative energiefördernde Freizeitaktivitäten nicht mehr ausgeglichen werden können. Ein Behandlungsschwerpunkt der Privatklinik St. Radegund liegt auf Burnout und mit Burnout einhergehenden Erkrankungen wie Depression, Angststörung, Panikstörung und Schlafstörung.

Die Ursachen von Burnout

Neben persönlichen Verhaltensmustern und Einstellungen tragen auch äußere Faktoren, wie gesellschaftlicher Einfuss und wachsender Druck am Arbeitsplatz zur Entstehung eines Burnout-Syndroms bei.

Was ist Burnout?

  1. Eine nach und nach sich entwickelnde allgemeine Erschöpfung
  2. Herabminderung der Stimmungslage
  3. Veränderung der Selbstwahrnehmung im privaten und beruflichen Kontext
  4. Auftretende Zukunftsängste
  5. Emotionale Distanzierung im privaten und beruflichen Umfeld
  6. Subjektives Gefühl der Ausweglosigkeit
  7. Unverständnis hinsichtlich der Ursachen der wahrgenommenen Veränderungen 8. Manifeste Leistungseinbußen im beruflichen und privaten Umfeld

Risikofaktoren am Arbeitsplatz

Arbeit kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken und Freude machen, energie- bzw. ressourcenfördernd sind auch soziale Komponenten der Arbeit und arbeitsbezogene Inhalte. Lang anhaltender Stress, kombiniert mit unzureichender Stressverarbeitung und mangelnder Erholung erhöhen das Burnout-Risiko.

Die meisten Stressfaktoren lassen sich in folgenden Bereichen finden:

  • in der Arbeitsaufgabe und dem Arbeitsinhalt (z.B. Arbeitskomplexität, Handlungsspielraum)
  • in der Arbeitsorganisation (z.B. Kooperations- und Zeitzwänge)
  • in den Umgebungsbedingungen (z.B. Lärm, Hitze, Staub)
  • in den soziale Bedingungen am Arbeitsplatz (z.B. Kommunikation, Konflikte)
  • in anderen betrieblichen Rahmenbedingungen (z.B. Arbeitszeiten, Aufstiegsmöglichkeiten)

Risikofaktoren in der persönlichen Lebensführung

Berufliche Tätigkeit führt, egal wie hoch die beruflichen Gratifikationen sind, üblicherweise zu einem Netto-Energieverlust am Ende eines jeden Arbeitstages. Diese Energieverluste müssen am Feierabend, am Wochenende und in der Urlaubszeit durch energiefördernde Tätigkeiten ausgeglichen werden.

Energiefördernde Tätigkeiten sind:

  • Körperliche Bewegung (lt. WHO mindestens 150 Minuten pro Woche), besonders empfohlen werden: Spazierengehen, Laufen, Schwimmen, Schi fahren, Schilanglaufen, Eislaufen oder Ballspiele
  • Kulturelle Aktivitäten: Besuch von Theateraufführungen, Konzerten, Kunstausstellungen
  • Tanzen und Ballbesuche
  • Gesellige Aktivitäten: Besuchen und Einladen von Freunden, Veranstaltungen,
  • Empfänge, etc.
  • Lesen

Der energetischen Regeneration NICHT (!) förderlich sind:

Fernsehen, Computerspiele, Social Media und Smartphone.

Burnout erkennen

Ein Burnout-Syndrom entwickelt sich meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Auch in fortgeschrittenen Stadien ist die Selbsterkenntnis oft schwierig, schmerzhaft und wird gerne verleugnet.

Stellvertretend für die verschiedenen Phasenmodelle können vier Stadien zusammengefasst werden:

  1. Idealistische Begeisterung (Einsatz mit großer Freude)
  2. Reduziertes Engagement (Grenzen erfahren)
  3. Frustration (Machtlosigkeit)
  4. Depression und Verzweiflung (Erschöpfung)

Wenn Sie bereits psychosomatisch reagieren, also in einem fortgeschrittenen Stadium „ausgebrannt“ sind, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen bzw.  psychologische/ psychotherapeutische Hilfe annehmen. Mit professioneller Hilfe gelingt es Ihnen eher aus dem Burnout-Kreislauf auszubrechen.

Hilfe in der Krise – Akutinterventionen

Bei Auftreten einer akuten Krise (z.B. Selbstmordgedanken) ist rasche Hilfe und Krisenintervention angebracht.

Ärztliche / psychologische / psychotherapeutische Hilfe

Hinter den Symptomen, welche mit Burnout in Verbindung gebracht werden, können auch andere Erkrankungen stecken. Deshalb ist der Besuch bei einem Facharzt für Psychiatrie, klinischen Psychologen oder Psychotherapeuten auf jeden Fall erforderlich. Die Diagnose und Behandlung wird dabei auf Sie persönlich abgestimmt.

  • Homepage der Steirischen Ärztekammer: www.aekstmk.or.at
  • BÖP (Berufsverband Österreichischer PsychologInnen): www.boep.or.at
  • Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP): www.psychotherapie.at, Tel: 01/512 70 90
  • Steirischer Landesverband für Psychotherapie (STLP): www.stlp.at, Tel: 0316/37 25 00
  • Netzwerk Psychotherapie Steiermark: www.psychotherapie-steiermark.net
  • Privatklinik St. Radegund / SANLAS Holding – Stationäre Psychiatrische Rehabilitation www.sanlas.at, of ce@privatklinik-stradegund.at, Tel: 03132 / 53 553
  • Privatklinik Hollenburg / SANLAS Holding – Stationäre Psychiatrische Rehabilitation www.sanlas.at, of ce.hollenburg@sanlas.at, Tel: 02739 / 77110
  • Reha Bruck / SANLAS Holding – Ambulante Psychiatrische Rehabilitation www.reha-bruck.at, Tel: 03862 / 51 781-301

Unterstützung am Arbeitsplatz

Um Wege aus dem Burnout zu finden, muß das Problem am Arbeitsplatz thematisiert und bearbeitet werden.
Der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin ist darüber hinaus laut ArbeitnehmerInnenschutzgesetz verpflichtet, psychische Gefahren am Arbeitsplatz entsprechend zu evaluieren und Maßnahmen zur Vermeidung dieser durchzuführen.

Sprechen Sie über Burnout-Risiken und über Faktoren, welche bei der Arbeit unterstützen können (Ressourcen) und holen Sie Unterstützung bei Ihrer Arbeitnehmervertretung und dem Arbeitsmediziner/der Arbeitsmedizinerin bzw. bei einem Arbeitspsychologen/einer Arbeitspsychologin (falls vorhanden).

Zu den betrieblichen Ressourcen zählen die Unterstützung durch Führungskräfte beim Umgang mit betrieblichen Anforderungen, eine wertschätzende Umgebung sowie eine positive Werthaltung. Passende Anforderungen, die weder unter- noch überfordern, ermöglichen zum Beispiel positive Herausforderungen bei der Arbeit.

Für den gezielten Umgang mit Burnout sollten die sechs Bereiche des Arbeitsplatzes (Umfang der Arbeit, Ausmaß an Kontrolle, Anerkennung und Belohnung, Gemeinschaft, Fairness und Werte) in den Mittelpunkt gestellt sowie Strategien und Prozesse entwickelt werden, um Bedingungen in diesen Bereichen zu verändern.

Sie haben auch die Möglichkeit, sich an die Beratungsstelle der Arbeiterkammer Steiermark zu wenden.
Burnout-Beratung der AK arbeitstechnik@akstmk.at, Tel: 05 7799 2494

Wege aus dem Burnout Labyrinth

Die Anregungen in diesem Infofolder sollen dazu beitragen, dem Burnout vorzubeugen. Haben die Symptome die Warnstufe überschritten, so ist dringend medizinische/therapeutische Hilfe geboten. Beraten Sie sich mit Ihrem Hausarzt, Arbeitsmediziner, Arbeitspsychologen oder suchen Sie psychotherapeutische Hilfe. Nehmen Sie Alarmsignale Ihres Körpers ernst – nur dann können Sie entgegenwirken.

Nehmen Sie Hilfe in Anspruch!

Für sich selbst zu sorgen bedeutet nicht, egoistisch oder unkollegial zu sein, sondern heißt in kluger Voraussicht zu handeln, um die eigenen Ressourcen nicht zu verschleißen.

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